Katholische
Arbeitnehmer
Bewegung
Frankfurt/Main-Zeilsheim

Berichte

21.04.2016

Di­gi­ta­li­sie­rung der Ar­beits­welt – Ge­sprächs­abend in Zeils­heim

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Dr. Her­mann Vogt

Die Kat­ho­li­sche Ar­beit­neh­mer­be­we­gung und der Evan­ge­li­scher Ar­beit­neh­mer­verein be­schäf­tig­ten sich in ei­ner ge­mein­sa­men Sit­zung mit dem The­ma „In­dus­trie 4.0“. Man­che ha­ben sich viel­leicht ge­fragt, was sich hin­ter die­ser For­mu­lie­rung ver­birgt. Es ist die Be­zeich­nung ei­ner neu­en Epo­che der In­dus­tria­li­sie­rung. Das Zeit­al­ter der Di­gi­ta­li­sie­rung der Ar­beits­welt, in dem mensch­li­che Ar­beits­kräf­te durch von Com­pu­tern ge­steu­er­te Ma­schi­nen und Ro­bo­ter ab­ge­löst wer­den. In un­se­ren gro­ßen In­dus­trie­wer­ken sind we­ni­ge hoch­ge­bil­de­te Ar­beit­neh­mer an die­sen Ge­rä­ten tä­tig. Die brei­te Mas­se von Ar­beit­neh­mern wird in Zu­kunft nicht mehr ge­braucht. Die­se Ent­wick­lung be­deu­tet enor­me Auf­ga­ben für den So­zial­staat.

Die Zeils­hei­mer dis­ku­tier­ten eif­rig die neue Ent­wick­lung in der Ar­beits­welt, de­ren Fol­gen heu­te noch nicht ab­zu­se­hen sind. Re­fe­rent war der Frank­fur­ter Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler und Theo­lo­ge Dr. Her­mann Vogt, der sehr in­ter­es­san­te Ein­bli­cke in die fort­schrei­ten­de Di­gi­ta­li­sie­rung der Ar­beits­pro­zes­se gab. Er wies dar­auf hin, dass in Zu­kunft mehr Be­schäf­tig­te im so­ge­nann­ten Dienst­leis­tungs­ge­wer­be be­nö­tigt wür­den als Ar­beit­neh­mer in der Pro­duk­tion. An ei­ni­gen Bei­spie­len ver­deut­lich­te der Re­fe­rent und Ge­sprächs­lei­ter, wie sehr sich die Ar­beits­welt ver­än­dert hat. So stirbt et­wa der Be­rufs­stand der Metz­ger aus. Die Tie­re wer­den in in­dus­triel­len Be­trie­ben ge­schlach­tet und ver­ar­bei­tet. Das für den Ver­brau­cher zu­be­rei­te­te Fleisch wird beim Er­zeu­ger be­stellt und zum Käu­fer ge­lie­fert. Der Wein­bau­er im Rhein­gau et­wa ar­bei­tet nicht mehr in sei­nen Wein­ber­gen. Die Pfle­ge und Ern­te der Trau­ben ge­schieht maschi­nell, vom Com­pu­ter des Win­zers ge­steu­ert. Die Di­gi­ta­li­sie­rung ist bis in die Be­rei­che der Me­di­zin vor­ge­drungen.

Dr. Vogt for­der­te für das di­gi­ta­le Zeit­al­ter ei­ne enor­me Wei­ter­bil­dung. Un­ser Bil­dungs­sys­tem muss an die neue Si­tua­tion in der Ar­beits­welt ab­ge­passt wer­den. Die un­ter­schied­li­chen in­tel­lek­tuel­len und so­zia­len Be­ga­bun­gen der Aus­zu­bil­den­den sind zu fördern.

In der Dis­kus­sion wur­den auch die Pro­ble­me der Men­schen mit der Di­gi­ta­li­sie­rung an­ge­spro­chen. Ge­ra­de äl­te­re Leu­te hät­ten oft nicht die Be­ga­bung und die Ge­duld zum Ge­brauch der Com­pu­ter und de­ren In­for­ma­tions­mög­lich­kei­ten durch das In­ter­net.

Die The­ma­tik der Di­gi­ta­li­sie­rung soll­te ge­le­gent­lich in ei­ner wei­te­ren Bil­dungs­ver­an­stal­tung er­ör­tert wer­den – et­wa un­ter der Fra­ge „Was sa­gen die christ­li­chen Kir­chen in ih­rer So­zi­al­ethik und So­zi­al­leh­re zur wei­ter fort­schrei­ten­den Di­gi­ta­li­sie­rung der Ar­beits­welt?“

Dr. Wilhelm Platz