Katholische
Arbeitnehmer
Bewegung
Frankfurt/Main-Zeilsheim

Berichte

20.11.2014

Das KZ „Bör­ger­moor” bei Pa­pen­burg

Bild zu Text

Bru­der Fried­rich Neu­mül­ler

Un­ser ehe­ma­li­ger Pfar­rer Bru­der Fried­rich Neu­mül­ler re­fe­rier­te am 20. No­vem­ber im Rah­men ei­nes Vor­trags­abends der KAB über das KZ „Bör­ger­moor” bei Pa­pen­burg in Nie­der­sach­sen. Die­ses schreck­li­che Ge­fäng­nis wur­de kurz nach der Macht­über­nah­me durch die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten in Deutsch­land ein­ge­rich­tet. Ins­be­son­de­re So­zial­de­mo­kra­ten und Kom­mu­nis­ten wa­ren die Häft­lin­ge in die­ser An­stalt. Das KZ im Moor war kein Ver­nich­tungs­la­ger wie et­wa Auschwitz oder Treb­lin­ka in Po­len, doch ein Ort, an dem nicht we­ni­ge In­sas­sen durch die har­te Ar­beit, die man­gel­haf­te Er­näh­rung und die in­hu­ma­ne Be­hand­lung durch die SS ihr Le­ben ver­lo­ren. Be­zeich­nend für das nord­deut­sche La­ger war das Lied der Moor­sol­da­ten. Der Text stammt von Jo­hann Es­ser und Wolf­gang Lang­hoff, die Mu­sik kom­po­nier­te Rudi Go­guel. Es um­fasst sechs Stro­phen. Hier sei­en die bei­den ers­ten zitiert:

 
Wohin auch das Auge blicket,
Moor und Heide nur ringsum.
Vogelsang uns nicht erquicket,
Eichen stehen kahl und krumm.
Wir sind die Moorsoldaten und
ziehen mit dem Spaten ins Moor!
 
Hier in dieser öden Heide
ist das Lager aufgebaut,
wo wir fern von jeder Freude
hinter Stacheldraht verstaut.
Wir sind die Moorsoldaten und
ziehen mit dem Spaten ins Moor!

 
Pfar­rer Neu­mül­ler wies in sei­nem ein­drucks­vol­len und in­ter­es­san­ten Vor­trag dar­auf hin, dass ge­ra­de die­ses Lied die emo­tio­na­le Ver­fas­sung der Moor­sol­da­ten und ih­re Sehn­sucht nach der Hei­mat zum Aus­druck bringt. Auch wenn die SS-La­ger­lei­tung das Lied ver­bot, so wur­de es den­noch von den Häft­lin­gen im Ge­hei­men wei­ter­ver­brei­tet und durch ent­las­se­ne oder in an­de­re La­ger ver­leg­te Ge­fan­ge­ne über Bör­ger­moor hin­aus be­kannt. Im spa­ni­schen Bür­ger­krieg san­gen es die In­ter­na­tio­na­len Bri­ga­den, in Frank­reich wur­de es un­ter dem Ti­tel „Chant des Marais” zum Lied der Résistance.

Das Re­fe­rat wur­de durch text­li­che und mu­si­ka­li­sche Aus­schnit­te aus ei­nem Hör­spiel über das KZ „Bör­ger­moor” un­ter­malt. Da­bei trat be­son­ders laut und deut­lich das bru­ta­le Auf­tre­ten der Wach­mann­schaften her­vor. Oft hör­te man, wenn es um die so­zial­de­mo­kra­ti­schen und kom­mu­nis­ti­schen Häft­lin­ge ging, die An­rede „Du ro­te Sau”. Ein In­diz, wie schlimm die Men­schen­wür­de miss­ach­tet wur­de. Das war al­ler­dings in al­len KZs und Ge­fäng­nis­sen der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten an der Ta­ges­ordnung.

Die Aus­füh­run­gen des Re­fe­ren­ten wa­ren für un­se­re Pfarr­ge­mein­de be­son­ders be­ein­dru­ckend. Un­ser ehe­ma­li­ger Pfar­rer Heinz Wolf war nach sei­ner Be­tei­li­gung am Russ­land­feld­zug eben­falls In­sas­se des KZ „Bör­ger­moor”. Ihm wur­den jü­di­sche Wur­zeln nach­ge­wie­sen, Das führ­te zu sei­ner Ver­haf­tung und Ein­wei­sung zu den Moor­sol­da­ten. Es ge­lang ihm er­freu­li­cher­wei­se die Flucht. Er kam in sei­ne Hei­mat­stadt Frank­furt und wur­de dort bis zum En­de des Zwei­ten Welt­kriegs ver­steckt. So wurde un­se­rem spä­te­ren Seelsorger da­mals si­cher­lich das Le­ben ge­rettet.

Dr. Wilhelm Platz