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Frankfurt/Main-Zeilsheim

Berichte

19.03.2015

Bib­li­scher Ge­sprächs­kreis in der Fas­ten-/Pas­sions­zeit

Einladung Biblische Gesprächsabende 26.02.2015 bis 19.03.2015

Ge­mein­sam mit der Kat­ho­li­schen Ar­beit­neh­mer­be­we­gung, den Kat­ho­li­schen Frau­en St. Bart­ho­lo­mäus und dem Kat­ho­li­schen Män­ner­bund ver­an­stal­te­te die ACK ei­nen Bib­li­schen Ge­sprächs­kreis. In der Zeit von En­de Fe­bru­ar bis Mit­te März spra­chen etwa 25 bis 30 evan­ge­li­sche und kat­ho­li­sche Christ­in­nen und Chris­ten über das The­ma „Die Berg­pre­digt Je­su Chris­ti – Was be­deu­ten die Se­lig­prei­sun­gen für mein Le­ben?”. Geist­li­che Mo­de­ra­to­ren der Aben­de wa­ren die Pfar­rer Ul­rich Matt­hei, Mar­tin Sau­er und Al­bert Seel­bach so­wie Pas­to­ral­re­fe­rent Rei­ner Jöckel.

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Pfar­rer Ul­rich Matt­hei

Am ers­ten der vier Aben­de, an de­nen der Ge­sprächs­kreis im Kat­ho­li­schen Pfarr­ge­mein­de­zen­trum statt­fand, führ­te Pfar­rer Matt­hei in die The­ma­tik ein. Er be­ton­te, dass je­der Christ die Berg­pre­digt für sich le­sen und per­sön­lich ver­ste­hen müs­se. Die­ser Ab­sicht die­ne das ge­mein­sa­me Ge­spräch, in dem die Aus­sa­gen der ein­zel­nen Teil­neh­mer zu­sam­men­ge­tra­gen und ge­mein­sam be­dacht wer­den soll­ten. Pfar­rer Matt­hei sag­te, die Berg­pre­digt Je­su Chris­ti sei für den Re­for­ma­tor Mar­tin Lut­her das Herz­stück der Bi­bel. Die­ser Aus­sa­ge kann durch­aus zu­ge­stimmt wer­den. Im Ge­spräch ging es schwer­punkt­mä­ßig um die Be­deu­tung des Wor­tes „se­lig”. Es wur­den da­zu fol­gen­de In­ter­pre­ta­tio­nen ge­nannt: glück­lich, zu­frie­den, er­füllt, an­ge­nom­men, be­lohnt oder be­freit.

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Pfar­rer Mar­tin Sau­er

Am zwei­ten Ge­sprächs­abend stand der Text „Se­lig sind die Trau­ern­den, denn sie wer­den ge­trös­tet wer­den” im Zen­trum der Über­le­gun­gen. Aus­führ­lich wur­de über das Wort „Trau­er” ge­spro­chen. Da­bei ka­men je nach ei­ge­nen Er­fah­run­gen und Er­leb­nis­sen der Ge­sprächs­teil­neh­mer sehr un­ter­schied­li­che Deu­tun­gen zum Aus­druck. Pfar­rer Sau­er brach­te das un­ge­wöhn­li­che Wort „Gott­ge­woll­te Trau­rig­keit” ein. In der Dis­kus­sion wur­de deut­lich, dass Gott uns auch trau­ri­ge Er­leb­nis­se prä­sen­tie­ren kann, um uns zum Nach­den­ken über ei­ge­ne Schuld und Sünd­haf­tig­keit an­zu­re­gen und uns zur Um­kehr auf­zu­fordern.

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Pfar­rer Al­bert Seel­bach

Der drit­te Ge­sprächs­abend mit Pfar­rer Seel­bach be­schäf­tig­te sich mit zwei Text­stel­len. „Se­lig, die hun­gern und dürs­ten nach der Ge­rech­tig­keit, denn sie wer­den satt wer­den”. Hier ging es um die Be­deu­tung des Wor­tes „Ge­rech­tig­keit”. Ge­rech­tig­keit hat et­was mit der Frei­heit des Men­schen zu tun. Die­se Se­lig­prei­sung wen­det sich an die Men­schen, die ge­gen den Ego­is­mus bei sich und in der Ge­sell­schaft an­kämp­fen. Ge­recht ist nach den Aus­sa­gen der evan­ge­li­schen So­zial­ethik und der kat­ho­li­schen So­zial­leh­re, wenn je­der Mensch die ma­te­riel­len Gü­ter be­sitzt, die er zum Le­ben braucht. Da­bei wur­den ei­ni­ge For­men der Ge­rech­tig­keit be­nannt – Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit, Chan­cen­ge­rech­tig­keit, Ge­ne­ra­tio­nen­ge­rech­tig­keit und Han­dels­ge­rech­tig­keit. Bei der Be­hand­lung der Se­lig­keit für die Barm­her­zi­gen wur­den Mit­leid und Ver­zei­hen ins Ge­spräch ge­bracht, Barm­her­zig­keit ist mehr als Ge­rech­tig­keit. Nach Papst Fran­zis­kus ist zum Bei­spiel das Ge­ben von Al­mo­sen ein Werk der Barm­her­zig­keit. „Se­lig, die ein rei­nes Herz ha­ben, denn sie wer­den Gott schau­en”. Ge­meint sind hier die Men­schen, die kei­ne Bit­ter­keit in sich tra­gen, die arg­los wie ein Kind sind.

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Pas­to­ral­re­fe­rent Rei­ner Jöckel

Und schließ­lich wur­de am letz­ten Ge­sprächs­abend mit Pas­to­ral­re­fe­rent Jö­ckel an­hand der bei­den Se­lig­prei­sun­gen der Frie­dens­stif­ter und der um der Ge­rech­tig­keit Wil­len Ver­folg­ten der Zu­sam­men­hang von Frie­den und Ge­rech­tig­keit er­ör­tert. Frie­den oh­ne Ge­rech­tig­keit ist kein wirk­li­cher Frie­den. Das wur­de mit ei­nem kur­zen Film un­ter dem Ti­tel „Ba­lan­ce” ein­drucks­voll do­ku­men­tiert. Wenn Men­schen in ih­rem Ego­is­mus, in ih­rer Hab­sucht und ih­rer Gier nach Macht über an­de­re in un­se­rer lei­der sehr ver­brei­te­ten „Ell­bo­gen­ge­sell­schaft” nur nach ma­te­riel­lem Be­sitz stre­ben, zer­stö­ren sie sich selbst. Der Frie­den in der Ge­sell­schaft bleibt auf der Stre­cke. In der Aus­spra­che wur­de auch der Mil­lio­nen von To­ten seit An­be­ginn der mensch­li­chen Exis­tenz auf der Er­de ge­dacht, de­nen die Ge­rech­tig­keit ver­wei­gert wur­de. Für uns gläu­bi­ge Chris­ten ist klar, dass die­sen ar­men Men­schen von Gott in der Ewig­keit die aus­glei­chen­de Ge­rech­tig­keit ge­schenkt wird. In ei­nem Text des kat­ho­li­schen Theo­lo­gen Jo­hann Bap­tist Metz heißt es: „Wenn die To­ten nicht auf­er­ste­hen, ist auch Chris­tus nicht auf­er­weckt wor­den, Os­tern re­det von IHM – im Ho­ri­zont un­se­rer Hoff­nung auf Ge­rech­tig­keit für un­se­re Toten.”

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Ge­sprächs­runde beim ers­ten Tref­fen am 26.02.2015

Je­sus Chris­tus sag­te am En­de sei­ner Berg­pre­digt zu sei­nen Zu­hö­rern: „Se­lig seid ihr, wenn ihr um mei­net­wil­len be­schimpft und ver­folgt und auf al­le mög­li­che Wei­se ver­leum­det wer­det.” Die­ser Satz un­se­res Herrn gilt heu­te mehr als in frü­he­ren Zei­ten. In un­se­ren Ta­gen wer­den welt­weit mehr Christ­in­nen und Chris­ten ver­folgt als im al­ten Rö­mi­schen Reich vor 2000 Jah­ren. In ei­nem Fly­er der Deut­schen Bi­bel­ge­sell­schaft heißt es: „Nach der Berg­pre­digt zu le­ben, ist aber kei­ne mensch­li­che Mög­lich­keit. Es ist – wie die­se selbst – Got­tes Ge­schenk in Je­sus Christus”.

Dr. Wilhelm Platz